Madritschjoch – Gipfel(i) Stürmer Bike Weekend 2018 – Tag 2

Das zweite Highlight folgt mit dem höchsten Pass der Ostalpen, den man per Bike erreichen kann: aufs 3123 Meter hohe Madritschjoch im Ortlermassiv. Das Panorama von dort oben muss grandios sein, die Auffahrt dagegen die Hölle. Daher ist unser Entscheid nicht schwer und wir entschliessen uns bis zur 2600 Meter gelegenen Schaubachhütte die Aufstiegshilfen zu nehmen. Wieder erwartet uns ein Prachtstag mit stahlblauem Himmel.

Das heisst: 1 mal Shuttlebus bis Sulden und 2 Sektionen Bergbahnen bis Schaubachhütte.

Das aufgestellte Paar aus Zürich in der Gondel werden wir den ganzen Tag immer wieder treffen. So überwinden wir ganz locker in knapp 1 Stunde 1700 Höhenmeter. Also das kann ich jedem Durchschnittsbiker nur empfehlen, ausser denjenigen Cracks, die topfit sind und nicht genug Hm hinauf verschlingen können. Hocherfreut nehme ich Kenntnis vom einheitlichen Erscheinen in den Gipfel(i) Stürmer Trikots.

Wir starten auf 2600 Meter bei der Schaubachhütte und es geht gleich ganz schön steil zur Sache. Bei den meisten Biker ist nach ein paar Meter schieben angesagt.  Es vergeht ja noch einige Zeit bis zur nächsten Einkehr. Dani und Didi haben keinen Stress und wir genehmigen uns schon mal Kaffee und Kuchen auf der Terrasse der Madritschhütte und geniessen den Blick auf das Ortlerdreigestirn, der ist nirgendwo besser als von hier oben. Die mächtigen Ortler, Zebru und Königsspitze lassen wir bald einmal hinter uns. Für mich ist dieser Uphill natürlich ein reines Vergnügen. Kann ich doch bis auf ein paar wenige Meter alles in den Pedalen bewältigen. Daher ist diese Tour ideal geeignet für E-Bikes. Nach 40 Min Fahrzeit und 513 Höhenmeter erreiche ich auch den Übergang ins Martelltal. Aber mein Puls schnellt gehörig in die Höhe, denn trotz Unterstützung muss ich gewaltig in die Pedalen stehen.  Auch ich merke die dünne Luft hier oben. Kein Lüftchen weht, die Sonne hat die lezten Schneeresten von der Vorwoche fast ganz weggeputzt. Das sei nicht die Normalität. Meistens habe es auch im Sommer immer Schnee hier oben. Zuerst mal einen ausgiebigen 360° Rundblick. Einfach phänomenal. Dann folgen unsere Augen dem möglichen Trail bis zur Zufallhütte ganz weit unten. Wir können uns nicht satt sehen an dieser aussergewöhnlichen Berglandschaft und tanken Kraft für die bevorstehende, ungewisse Abfahrt. Es ist schön zu sehen, wiedereinmal alle im Klub Trikot der Gipfel(i) Stürmer.

Also die ersten Meter hätte ich gedacht, sind nicht fahrbar. Ein deutscher Kollege belehrt mich eines besseren. Chapeau, wie er das gnadenlos steile Anfangsstück gemeistert hat. Ich denke, unsere abwesenden Cracks der Gipfe(i) Stürmer würden es ihm gleich tun. Nach den ersten 20-30 Meter zu Fuss erwarten uns noch einige Spitzkehren, verblockte und rutschige Steinpassagen, dann hat man den oberen Madritschboden erreicht.

Mehr oder weniger fahrend, respektive um die Kurven zirkelnd, meistern wir diesen happigen Einstieg.

Auch die Rotsocken zieht es ins schöne Martelltal.Stolz über den bewältigten Starthang, freuen wir uns auf ein langen Flowabschnitt.Aber schon naht die nächste Herausforderung. Unscheinbar und schon fast der kargen Steinlandschaft entflohen, naht das nächste Spitzkehren Festival. Auf ein flowiges Stück müssen wir uns wieder auf eine steile und verblockte Passage einstellen. Aber jetzt kann das Meiste mit gebotener Aufmerksamkeit und technischem Geschick gefahren werden. Diese Brücke haben wir alle Souverän gemeistert. Aber die nächste Brücke, von wo es keine Fotos gibt, wurde mir zum Verhängnis. Der Absatz war schon höher als bei dieser. Ich ziehe das Vorderrad hoch und komme auch auf die Brücke, als ich fast oben war, verlor ich das Gleichgewicht und das Resultat war, das Bike bleibt auf der Brücke und ich nehme ein unfreiwilliges, kühles, gratis Kneippbad für meine Füsse im zum Glück nicht tiefen, aber sehr erfrischenden Bach. Da ist wahrscheinlich mein Adrenalinspiegel mit mir durchgegangen…… Zum Glück nichts weiter passiert. Alles noch ganz bei Mensch und Material.

Die Zufallhütte kommt immer näher und unsere Glücksgefühle werden immer grösser. Traumhaft schlängelt sich der Trail nun gegen das letzte herausfordernde Stück vor dem nächsten Break.

Noch ein technischer Leckerbissen ins Schattenloch hinunter, kurz vor der Zufall Hütte.

Ja, da ist sie schon. Noch in eine Mulde und ein giftiger Gegenanstieg und wir haben es geschafft.

Viele Leute erwarten uns auf der Sonnenterrasse, wo wir noch ein freies Plätzchen ergattern und ich meine nassen Socken und Schuhe zum trocknen in die warme Sonne hängen kann.

Nach einer ausgiebigen Pause folgt ein steiler, holpriger Trail runter zu einem verlassenen Hotel mitten im Wald. Hier steht die Bauruine des ehemaligen Luxushotel Paradiso. Wurde zwischen 1933 und 1935 auf Initiative des italienischen Fremdenverkehrsministeriums auf 2160 Meter Meereshöhe erbaut. Nach Ausbruch des Krieges musste der Hotelbetrieb eingestellt werden. Passt meiner Meinung überhaupt nicht in diese Gegend.Das lacht unser Bikerherz, ein super Flowtrail schlängelt sich durch ein wunderschönes Gelände. Jetzt ist Erholung angesagt. Wir cruisen gemütlich dem See entlang. Der Zufrittsee wurde zwischen 1950 und 1956 gebaut und dient hauptsächlich der Energiegewinnung. Doch er ist mehr als nur ein gewöhnlicher Stausee. Aufgrund seiner Lage, bietet er seinem Besucher auch tolle Ausblicke auf die Bergwelt, in welche er eingebettet ist. Der Zufrittsee wird von der Plima, dem Marteller Fluss, gespeist. Am ende von See gibt es kein zurück mehr. Wir dürfen uns einer so nicht erwarteten Rampe „erfreuen“. Sehr steil und nur zu Fuss machbar. Was dann folgt, sind nicht die träume von durchschnittlichen Biker. Ein total verblockter Trail, mit hohen Absätzen und immer wieder Wurzeln. Also fahrbar ist auf diesem Abschnitt wenig bis sehr wenig. Wir sind ja nicht die Ausnahmekönner wie Rotscher und Co. aber auch nicht Anfänger. Das habe ich mir schon ein wenig anders vorgestellt. Da bei mir wiedereinmal das Garmin GPS den Geist aufgegeben hat und Dani auf seinem keine Karte von Italien drauf hatte und die Zeit schon merklich vorangeschritten ist und nicht zu vergessen, dass wir noch ca. 20km im Vinschgau hinauf nach Prad radeln müssen, entscheiden wir uns schweren Herzens, für den Rest bis Martell die Strasse zu nehmen. Es sollte sich als ein weiser Entscheid herausstellen. Ja wir sind doch noch in Prad angekommen. Kurz vor 18:00 Uhr können wir auf einen ereignisreichen Tag anstossen. Wenn wir noch die restlichen Trails im Martelltal gesucht hätten, wäre es deutlich später geworden. Wahrscheinlich wären wir nicht vor dem Eindunkeln zurück gewesen.

Fazit: Eine eindrückliche Biketour im alpinen Hochgebirge. Mit einem sehr steilen, für die Meisten zu steilen Anstieg zu Beginn. Auf jeden Fall sollte bis zur Schaubachhütte für „Normalos“ die Aufstiegshilfen in Anspruch genommen werden. Ansonsten einem die Zeit davonläuft. Vor allem, wenn man dann einmal im Tal unten angekommen ist, wo man schliesslich noch zum Ausgangspunkt zurückfahren muss. Also es ist mit Lauf- und Schiebepassagen zu rechnen, sowohl aufwärts, wie auch abwärts. Landschaftlich überragend. Sehr abwechslungsreich mit einigen coolen Flowpassagen. Aber auch technische Herausforderungen warten. Da der erste Aufstieg mit dem E-Bike fast durchgehend fahrbar ist, eignet sich diese Tour hervorragend für E-Bikes.

https://www.relive.cc/view/g24618236080

E-MTB tauglich = 1

 1 = Sehr gut E-MTB tauglich (Pratisch keine oder nur sehr wenige Lauf / Tragepassagen)

2 = Gut E-MTB tauglich (Wenige Lauf / Tragepassagen)

3 = Beschränkt E-MTB tauglic (Einige Lauf / Tragepassagen)

4 = Nicht E-MTB tauglich (Viel Lauf / Tragepassagen)

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4 Gedanken zu „Madritschjoch – Gipfel(i) Stürmer Bike Weekend 2018 – Tag 2

  1. ROTSCHER

    Cool 😎 das sieht super aus. Schade konnte ich nicht dabei sein. Somit fehlt mir dieser Pass immer noch in meinem Bikerleben. Irgend wann werde auch ich es schaffen 😉
    Aber schade musstet ihr das Schlussstück auf der Strasse bewältigen. Das ist eben, wenn man so viel bei Kaffee und Gipfel sitzt 😂 … aber das muss ja auch sein.
    Und übrigens, ist so viel Shutteln überhaupt kompatibel mit e-biken? 😇 … und wo sind die Bilder von der Brücke, dem Flug, den nassen Füssen 😁
    Ich hoffe, es gibt auch nächste Saison wieder tolle Bikeerlebnisse, für dich oder auch zusammen.

    Antwort
    1. vivalagrischa Autor

      Wie gesagt, das shutteln bis auf 2600 Meter ist für normale Biker fast ein muss und natürlich auch mit E-Bike erlaubt. Aber jeder kann ja machen was er will. Ja, von den Kapriolen beim Brückli gibt es tatsächlich keine mir bekannten Bilder. Wahrscheinlich war uns da nicht mehr zum fötelen zumute.

      Antwort
      1. ROTSCHER

        Umso wichtiger ist es, dass man immer seinen persönlichen Schutzengel dabei hat. Ich habe ihn Ende Sommer auch beim Sturz von einem Brücklein benötigt 😲 … gut ist dein Abflug auch ohne grosse Folgen geblieben … Heb der sorg !

  2. sven

    WOW, ein grandioses panorama 8) das könnte auch mir gefallen, muss ich mir merken. Ja diese brücken sind oft fies ohne notausstieg, zum glück ging alles gut.

    Antwort

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