Monte Bar –  Cacchia di Bandita

Für die Monte Bar Tour plane ich einen ganzen Tag ein. Nur die Anfahrt von Lugano macht mir einen Strich durch die Rechnung. Zuerst alles dem Fluss entlang, beim Fussballstadion vorbei, weiter ins Industriegebiet. Ein Jogger gibt mir Auskunft, als ich nach einem Wanderweg nach Tesserete frage. Dann ein wunderschöner Trail der Cassarate entlang, dort gäbe es einen Privatweg hinauf nach Tesserete. OK, das fängt ja schon mal recht spassig an. Bis eben dieser Privatweg ansteht. Ein Stück komme ich noch hinauf, dann auf einmal überall Gitterzäune, absolut kein durchkommen, nicht einmal für Biker oder Fussgänger. Mir bleibt nichts anders übrig als einige Kilometer zurück und den normalen, neuen Veloweg über Canobbio zu nehmen.

Ab Tesserete wähle ich die schnellstmögliche Route, da ich bis hier schon zu viel Zeit gebraucht habe. Sie führt mich in das Valle di Colla nach Bidogno. Hier verlasse ich die Zivilisation. Zwar ist die Unterlage durchwegs strassentauglich, sprich geteert, aber für lange Zeit bin ich und mein Bike allein in diesen einsamen Tessiner Wälder unterwegs.

Im Hintergrund bäumen sich die mächtigen Denti della Vecchia gegen den Himmel.

Weit oben auf dem Grat ist schon die Monte Bar Hütte zu sehen. Viele Biker treffe ich heute an diesem warmen Herbsttag nicht an. Noch ein kurzer erster Halt beim Motta della Croce. Immer wieder eine traumhafte Aussicht über das Sottoceneri. Hoppla, Monte Bar Hütte darf man bei einem solch modernen Neubau nicht mehr in den Mund nehmen. In Form eines riesigen Würfels thront er majestätisch in Holz eingekleidet hoch über Lugano. Einen feinen, zarten Ossobuco mit Risotto lasse ich mir köstlich im Mund zergehen.Weiter führt mich meine Route nach Piandanazzo und gleich hier steche ich runter in den ersten Teil eines flowigen Wiesentrails.

Bei der Spitzkehre „Costa del Bello“ nehme ich nicht wie gewöhnlich die scharfe Linkskurve, sondern bevorzuge die Geradeausrichtung zum „Bandita della Chaccia“. Ich bin gespannt, wie sich dieser Abschnitt, auch für mich Neuland, präsentieren wird.Top, das war jetzt aber ein Volltreffer. Genial zieht der Trail einem abschüssigen Hang entlang in ein Tobel hinein. Auf der Gegenseite kann ich schon den weiteren Verlauf erkennen.

Plötzlich, mitten auf meinem Trail machen sich diese Rindviecher gemütlich. Abrupt komme ich aus meinem Trailrausch in die reale Welt zurück. In sicherem Abstand beurteile ich die Situation. Es wären nur noch ein paar Meter bis zum Trailende. Also mir ist das Risiko zu gross, mich mitten durch diese vielen Hörner durchzuschlängeln. Habe keine Lust wie ein schlechter Torero aufgespiesst zu werden. Dann nehme ich lieber mal die Abkürzung zum Strässchen hinunter.

Jetzt drehe ich fast der Höhenlinie entlang, Tendenz leicht abwärts um den Berg herum um dann ein weiteres Mal die ca. 250 Hm zum Motta della Croce in Angriff zu nehmen.

So genial, an diesem sonnigen Tessiner Herbsttag habe alle Trails für mich allein. Nach einem kurzen Tel. Gespräch mit Rotscher (musste ihn im Büro noch ein bisschen „gluschtig“ machen) nehme ich die bekannte Finalabfahrt unter die Stollen. Der erste Teil alles fahrbar, dann folgen ein paar knifflige Stellen, die mich ein paar Mal kurz zum Absteigen zwingen. I will ja auch nichts riskieren, wenn ich schon so Mutterseelen allein unterwegs bin. Ich versinke in einem Trailrausch, meine Glückshormone habe ich nicht mehr unter Kontrolle. Dieser Flow, ich kann es kaum beschreiben, ist einfach das Schönste was wir als Biker erleben dürfen. Leider war es dann ein bisschen Zuviel des Guten. Im steilen Wald im unteren Teil, bei total ausgetrocknetem Boden mit Herbstblättern und Kastanien übersät, rutscht mir das Vorderrad weg und ich muss Bekanntschaft mit der staubigen Tessiner Erde machen. Alles glimpflich abgelaufen, nur habe ich nicht gemerkt, dass mein GPS abgestellt hat. In der warmen Abendsonne von Lugano geniesse ich mein verdientes Abschlussbierchen.

Fazit: Eine fordernde Tour mit vielen Höhenmeter. Unzählige Trails warten darauf gerockt zu werden. Einige davon recht anspruchsvoll. Für mich eine der schönsten Trailrunde im Tessin. Aufgebaut auf der Monte Bar Tour 8 Uhr Loop vom Juni 2015.

https://vivalagrischa.wordpress.com/2015/06/03/monte-bar-8-uhr-trail-loop/#more-3266

E-MTB tauglich = 1  /  Wattverbrauch = 960  / Akku dabei = 2

 1 = Sehr gut E-MTB tauglich (Pratisch keine oder nur sehr wenige Lauf / Tragepassagen)

2 = Gut E-MTB tauglich (Wenige Lauf / Tragepassagen)

3 = Beschränkt E-MTB tauglic (Einige Lauf / Tragepassagen)

4 = Nicht E-MTB tauglich (Viel Lauf / Tragepassagen)

https://www.relive.cc/view/g25426313292

 

 

Ein Gedanke zu „Monte Bar –  Cacchia di Bandita

  1. ROTSCHER

    Jaja, gluschtig machen auf die Ticino-Trails … die Retourkutsche kommt bestimmt 😁
    Diese Runde muss ich auch wieder mal unter die Räder nehmen. Sowieso um der neuen Hütte einen Besuch abzustatten. Als Architekturinteressierter sowieso ein Muss.
    Wenn nur schon wieder Frühling wäre …

    Antwort

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