Surenenpass ( Drei Topcracks und Ich)

Ganz unverhofft erhielt ich eine Anfrage von Rotscher, ob ich den Surenenpass mit einem Kollege von ihm erkunden möchte. Zuerst mal kommt bei mir das grosse studieren, wo ist denn dieser Pass überhaupt. Nach meinen eigenen Recherchen wurde ich auch nicht viel schlauer, als dass es ein Übergang von Engelberg bis nach Erstfeld ist. Man kann einiges lesen über diese Biketour. Von bis zu 2h Tragepassagen bis hin zu fast alles fahrbar kursiert durch den Blätterwald und das Internet. Ich war skeptisch, sagte aber aus reinem „Gwunder“ doch zu. Aha, es gibt verschiedene Richtungen, wie man diesen Pass in Angriff nehmen kann. Die weitaus bessere ist so, wie wir es vorhaben. Mir schwebt so ein komisches Gefühl durch die Magengegend aus Vorfreude und was da auf mich zu kommen wird, mit 3 solchen Top Cracks auf einer doch recht ausgedehntenTour.

Unser Guide heute ist Alexander, der die Tour extra für uns recherchieren gegangen ist. Ich mobilisiere in letzter Minute noch Reto, unser Innerschweizer Mitglied.

Die Herausforderung ist, wie bekomme ich eine gescheite Runde hin, damit wir am Schluss wieder am Ausgangspunkt sind. Alexander hat die geniale Idee, mit Schiff und Standseilbahn nach Seelisberg und via alle diese Emmetten Trails nach Beckenried und Stans zurück. Der Vorschlag tönt gut, sicher aber herausfordernd. Die erste Etappe von Stans nach Engelberg legen wir mit der Bahn zurück. Dann gemütlich weiter auf Teer. Allmählich wird das Tal immer enger. Bald sind wir den Menschenmassen vom Bahnhof Engelberg entflohen.

Gemäss den Aussagen von Alexander sollte der Aufstieg für mich mit E-Bike grösstenteils fahrbar sein. Das ist schon mal beruhigend und zur Sicherheit habe ja noch ich einen 2 Akku dabei. Um einige Höhenmeter zu sparen, könnte man auf der linken Talseite noch 2 Bahnen benutzen. Aber das brauchen wir heute nicht, wir haben so viel zu bestaunen, dass nie Langeweile aufkommt. Je weiter wir ins Tal hinein fahren, je eindrucksvoller wird die Bergwelt. Dieser Aufstieg ist zwar lang und hart, aber ich habe selten ein schöneres Tal mit so vielen fantastischen Plätzen und Bergspitzen gesehen. Ich bin so froh, habe ich mir dieses Schauspiel nicht entgehen lassen, ansonsten ich ja doch so einiges verpasst hätte. Ja das ist wirklich der berühmte Titlis, sieht ganz anders aus von der hinteren Seite. Und mitten drin eine der kleinen Seilbahnen. Hier fahren wir auf der neuen Umfahrungsstrasse, die uns einen strengen Trailuphill auf der linken Hangseite erspart.Aber Reto, das ist ein absolutes No-Go…….:(Hey, hey reto das geht aber gar nicht. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das die Gewässer fahrend durchquert werden.…so wird das erledigt, wie es Alexander vormacht 🙂 Alexander immer gut gelaunt. Rotscher’s Motto, bei jeder Gelegenheit ein Rad in der Luft. Hier beim Blackencappeli kann es nicht mehr weit sein bis zur Blackenalp, wo wir noch spontan eine Stärkung zu uns nehmen. Noch 40% Akku für 500 Hm bis zur Passhöhe. Reicht das wohl aus? Bis zur Blackenalp ist die Unterlage alles auf Schotter und breiten Wegen, also kein Problem für uns. Hier vor dem finalen Aufstieg auf Trail verdrücken wir noch einer Heidelbeerwähe. Übrigens frisch gelesen heute Morgen auf dem Pass, gemäss Aussage der Serviertochter.Wie man sieht, haben wir den Kanton Nidwalden verlassen und suchen jetzt den Stier auf der gelben Flagge. Titlis.

Rotscher will es wissen, er zieht vorne davon. Sein Ehrgeiz hat ihn gepackt, dass er so viel wie nur möglich fahren kann und als erster den Pass erreicht. Unsere 3 Cracks lassen sich nicht so schnell von der enormen Steilheit beeindrucken.

So durchquert man einen Bach – Reto……….………nicht so. Ist unser Reto wohl doch Wasserscheu? Auch ich muss inkl. Unterstützung voll ans Limit, um im Turbomodus möglichst viel fahrend zu bewältigen. Total 50 Min bin ich im höchsten Modus. Es darf nicht wahr sein, 50 Meter vor der Passhöhe geht bei mir der „Saft“ aus. Das will ich mir nicht bieten lassen, just wechsle ich den Akku auf dem Trail, nur dass ich fahrend auf dem Pass ankommen kann.  🙂 Blick zurück ins Surenental mit dem Titlis.Ich muss sagen, Alexander hatte recht mir seiner Aussage. Ich konnte sehr viel fahren, wo Biker „Ohne“ schon lange das Bike auf den Schultern hatten. Alles in allem schätze ich bei mir eine Laufstrecke von ca. 15 Min. Natürlich musste ich den Turbo einsetzen, ich komme auch das eine oder andere Mal an meine Grenzen. Aber für mich hat es richtig Spass gemacht. Daumen hoch für diesen genialen, aber strengen Uphill.Oben angekommen herrscht reger Betrieb, auch einige Wanderer haben sich die Mühe gemacht, den steilen Pfad hochzukraxeln. Es entwickeln sich interessante Gespräche. Die 4 Musketiere mit charmanter Flankierung. Alexander hat sich noch die Mühe gemacht, eine ganze Nusstorte auf den Pass zu schleppen, um diese anschliessend zu verteilen. Beim Blick hinunter vergeht wohl einigen das Lachen, nicht so unserem Guide Alexander. Meine 3 Begleiter freuen sich schon riesig auf die Abfahrt.Der Einstieg ist schwierig, aber meine Kollegen sehen darin keine Zweifel, es trotzdem in den Pedalen zu bewältigen. Ich hingegen muss vernünftigerweise vorerst einmal passen.

Ein paar Abschnitte sind doch auch für mich fahrbar. Habe aber irgendwie eine Blockade in mir. Ich weiss nicht warum, gehe praktisch kein Risiko ein, bin daher gehemmt und einige Zeit zu Fuss unterwegs. Oder liegt es an meinen 3 Begleiter, die Ihre Fahrkünste nur so zum Besten geben. Ich erstarre fast ein bisschen in Ehrfurcht. Im Hintergrund links sieht man den Höhenweg zum Klausenpass. Was für eindrucksvolle Aussichten.Einige Schneefelder müssen überquert werden. Was nicht immer so ein einfaches Unterfangen ist. Ich warte immer noch auf ein längeres Stück mit Flowgefühl, aber das ist vorläufig eine Fehlanzeige. Und wieder ein extrem steiles Stück mit Serpentinen gespickt.  Also der grosse Teil bis zum Bockibachtobel, ausgenommen diese Ebene, ist ziemlich verblockt. Alexander tröstet mich mit dem Spruch: Es kommt gleich flowiger. Ja, er hatte recht, der breite Karrenweg bei der Lang Hütte vorbei war recht „flowig“. Bis wir zum Eingang des Bockitobels kommen. Hier soll gem. RIDE Absturzgefahr herrschen. Ich bin der Meinung, dass hier alles breit genug und bestens gesichert worden ist. Hatte mir das alles viel schlimmer vorgestellt. Die senkrechten Felswände sind schon eindrücklich. So wieder eine Passage auch für mich fahrbar, endlich. Aber der Untergrund bleibt rau und mit vielen Absätzen versetzt. Auch die nassen Steine im Wald helfen nicht für ein Wohlgefühl in mir. Es bleibt definitiv ein schwieriges Unterfangen für mich.  Die restlichen 11km von Erstfeld nach Flüelen müssen wir im Eilzugstempo hinter uns bringen, da wir sonst das 16.00 Uhr Schiff verpassen. Die Tour ist aber noch nicht zu Ende, für einige. Aber für mich schon. Der überaus harte und schwierige Downhill hat mich geschafft, so dass ich eingestehen muss, dass ich die Zusatzschlaufe auf den Seelisberg nicht mehr mitmachen werde. Ich verabschiede meine 3 Cracks in Treib und geniesse die Schifffahrt bis Beckenried, wo wir uns wieder treffen werden. Sie jedoch nehmen eben dieses Supplement in Angriff. Als ich diese Bilder bekommen habe, bin ich sicher, dass mein Entscheid abzubrechen der richtige war, man muss auch einmal eingestehen, dass es genug ist.  Anders sieht es für meine 3 Trailkünstler und 1-2 Level über mir fahrende Kollegen aus. Die hatte Ihre helle Freude an diesem happigen Trail. Wir treffen uns wieder in Beckenried und radeln gemeinsam nach Buochs. Hier genehmigen wir uns eine superfeine Pizza am Ufer des Vierwaldstättersees und lassen den eindrucksvollen Tag Revue passieren.

Fazit: Landschaftlich eine Traumtour. Uphill von Engelberg gut zu meistern, wenn man gewillt ist, ca. 1/2 – 1h sein Bike zu stossen oder schultern. Downhill nach Erstfeld sehr technisch und einige Stellen verblockt mit engen Serpentinen und immer sehr steil. Durchschnittlich bis gute Biker werden wenig Freude haben. Nur sehr gute Biker können wirklich Spass haben. Habe es aber trotzdem nicht bereut, diese Tour unter die Räder genommen zu haben. Nur schon wegen der traumhaften Landschaft und natürlich wegen meinen super Kollegen. Vielen Dank, Alexander, Rotscher und Reto, dass Ihr mit mir diesen coolen Tag verbracht haben. Und ein Dankeschön für Eure tollen Fotos.

Nachtrag: Sehr wahrscheinlich ist der Grund für mein zurückhaltendes Fahren auch wegen meiner nicht korrekt funktionierenden Federgabel, bei der mein Mechaniker festgestellt hat, dass diese einen Service braucht. Muss unbedingt erwähnen, dass das Team vom Velopalast in Seebach wirklich ganze Arbeit leistet. Kurzerhand, 1 Tag vor unserem grossen Bike Weekend, wird mir angeboten, eine Ersatzgabel zu montieren, um meine defekte Gabel in den Service geben zu können. Das ist wahrer Kundenservice. Ein ganz dickes Dankeschön dem Biketeam vom Velopalast. 🙂

https://www.relive.cc/view/gh38745250201

Wenn sehr gute Technik vorhanden – E-MTB tauglich 2

E-MTB tauglich = 3 / Wattverbrauch = 750 / Akku dabei = 2 / Rest Akku 300 Watt

1 = Sehr gut E-MTB tauglich (Pratisch keine oder nur sehr wenige Lauf / Tragepassagen)

2 = Gut E-MTB tauglich (Wenige Lauf / Tragepassagen)

3 = Beschränkt E-MTB tauglic (Einige Lauf / Tragepassagen)

4 = Nicht E-MTB tauglich (Viel Lauf / Tragepassagen)

2 Gedanken zu „Surenenpass ( Drei Topcracks und Ich)

  1. Reto

    War ein super toller Tag Hans. Und ich bin nächstes Jahr gerne wieder dabei mit dir und der neuen Gabel *happy–Trails* Reto

    Antwort
  2. Alexander

    Super Bericht Hans! Es war beeindruckend, Dich auf Deinem roten E-Blitz zu sehen und ohne die feine Heidelbeerwähe hätte es sogar mit dem ersten Akku bis ganz nach oben gereicht 😋😁.
    Mit den Surenenpass haben wir sicher eine der schwierigsten Abfahrten der Zentralschweiz gewählt, aber es gibt natürlich auch wesentlich Flowigeres. Somit bis auf nächstes Jahr!
    Alexander

    Antwort

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